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Vince Vaughn

04.11.2009

Der 1970 in Minneapolis, Minnesota, geborene Schauspieler Vince Vaughn steht schon seit seinem 19. Lebensjahr vor der Kamera. Als er mit dem Independentstreifen „Swingers“ 1996 einen Überraschungserfolg verbuchen konnte, wurde Steven Spielberg auf ihn aufmerksam, der ihn kurz darauf in „Vergessene Welt: Jurrasic Park“ besetzte. Danach folgten weitere wichtige Rollen wie die des Norman Bates in Gus van Sants „Psycho“-Remake. In „Old School“, „Zoolander“ und „Starsky und Hutch“ stand er neben Ben Stiller, Owen Wilson und Will Ferrell vor der Kamera und wurde zu einem der neuen US-Comedystars. Diesen Status konnte er mit „Trennung mit Hindernissen“ und „Die Hochzeits-Crasher“ ausbauen. Seinen neuen Film „All inclusive“ hat er auch produziert und am Drehbuch mitgearbeitet. Wir sprachen mit Vince Vaughn über seine Arbeit als Drehbuchautor, seine Liebe zum kleinen Mann von der Straße und über seine familiären Zukunftspläne.

Vince Vaughn während der Deutschlandpremiere von "All Inclusive" in Hamburg.

Du bist ja auch der Drehbuchautor von „All inclusive“. Hattest Du beim Schreiben schon Schauspieler für die Rollen im Kopf?

Ich habe schon immer an Drehbüchern mitgeschrieben, mir nur noch nie einen Screen-Credit dafür geben lassen. Aber während Jon Favreau und ich über die Idee zum Film nachdachten, hatten wir schon Jason Bateman und Faizon Love im Kopf. Faizon hatte noch nicht in vielen großen Filmen mitgespielt, er war ein Stand-up-Komiker mit Auftritten in kleineren Filmen, der hauptsächlich bei einem schwarzen Publikum bekannt war. Aber er und Bateman sind enorm komisch, deswegen war uns das schon sehr früh klar. Was die Mädels betrifft, da hatten wir großes Glück, denn wir suchten welche, die sowohl witzig sein konnten als auch in den ernsten Szenen zu überzeugen wussten. Ich mag es nicht, wenn in einem Film nur der Mann die ganze Zeit redet und die Frau dasitzt und nichts sagt. Das spannende an einer Beziehung ist doch, sich die Dynamik zwischen den beiden Personen anzuschauen. Das gleiche gilt auch bei Männerfreundschaften, was man bei „Swingers“ sehr gut sehen kann, wo es ständig hin und her geht zwischen den beiden Figuren.

In diesem Film geht es um Paare und deren Probleme des Zusammenlebens. Wie viel von Dir selbst steckt denn in Deinem Drehbuch?

Ich bin ein Schauspieler, also ein Mensch mit einer großen Vorstellungskraft. Meine Erfahrungen sind sehr vielfältig. Aber ich habe immer Filme für die normalen Leute gemacht, seit „Swingers“, in dem es um zwei Freunde ging, die versuchten, Mädchen kennen zu lernen. Wir haben es damit nicht zum Sundance Filmfestival oder etwas noch Elitärerem geschafft, aber im Laufe der Jahre ist er zu einem der angesehensten Independentfilme geworden. Mit „Trennung mit Hindernissen“ hatten wir es schwer bei den Filmkritikern, aber wir haben im Produktionsjahr alle Publikumspreise gewonnen. Deswegen wollte ich nun hier bodenständige Leute mit ganz normalen Problemen nehmen, die jeder im Publikum nachvollziehen kann, und diese an einen ungewöhnlichen Ort stecken. Es wird umso lustiger, das mit Figuren zu tun, die ansonsten nie die Chance hätten, an solch einen Ort zu kommen.

Also schlägt Dein Herz für den Mann von der Straße?

Ja, absolut! Der Staat besteuert alles, was nicht niet- und nagelfest ist, den Privatbanken gehört alles und der kleine Mann zahlt lebenslang Zinsen und andere Schulden ab. Hier in Deutschland gibt es 19% Mehrwertsteuer, das ist doch verrückt! Das ist doch viel zu hoch, wo fließt denn das ganze Geld hin? Man hat seinen Job, arbeitet hart und versucht alles im Lot zu halten, man kümmert sich um seine Kinder und bringt nach all den Jahren das Haus wieder in Ordnung. Man wird zu einem Hamster in der Tretmühle. Und manchmal hat man deswegen nicht die Zeit füreinander, um das Leben richtig zu genießen! Also wollte ich ein Paar zeigen, das eigentlich alles richtig zu machen glaubt, und das dann feststellt, dass es eigentlich viel mehr aus dem Leben machen könnte. Sie erkennen, dass sie noch nie einen Urlaub gemacht haben, dass sie stets so damit beschäftigt waren, ihren Kopf über Wasser zu halten, dass sie gar nicht in der Lage waren, mal ein bisschen Spaß zu haben. Hollywood behauptet immer, dass die Menschen aus den Vororten so dumm und naiv sind. Aber die Leute da draußen versuchen verbissen, ihre Jobs zu behalten und nicht Pleite zu gehen. Sie versuchen ihr Bestes, um glücklich zu werden. Deswegen wollte ich einen Film drehen, der für die Ehe eine Lanze bricht, für die Kinder und für die Familie.

Du hast große Erfolge mit Komödien, aber wir kennen Dich auch aus ernsten Filmen. Sind Komödien einfacher für Dich?

Dramen sind auch einfach, es werden nur nicht die richtigen gemacht. Mit Joaquin Phoenix habe ich mal „Für das Leben eines Freundes“ gedreht, der sehr erfolgreich war, und es hat mir auch viel Spaß gemacht, für Sean Penn eine kleine Rolle in „Into the Wild“ zu spielen. Das Problem besteht darin, dass es in Hollywood eine Gruppe Intellektueller gibt, die das Leben nur aus Büchern kennt. Aber die wissen nicht, wie es ist, wenn man arbeitet und darum fürchtet, seinen Job zu verlieren. Wenn man ein Drama über eine allein erziehende Mutter machen würde, die sich um ihr Kind kümmert und gleichzeitig versucht, einen Partner zu finden, würden die Leute sich diesen Film anschauen wollen. Weil wir solche Leute kennen und weil sie uns sympathisch sind. Für viele Produzenten bedeutet Drama allerdings, dass es schwer sein muss, dass es düster sein muss, dass es wichtig sein muss. Aber Dramen kann man auch über die einfachen Leute drehen, die nur ihr Bestes im Leben geben. Ich habe das jetzt in Komödien gemacht, weil es gut tut, über die Dinge zu lachen, aber ich werde in naher Zukunft auch Dramen machen, und wie bei meinen Komödien werden auch meine Dramen für normale Menschen gemacht sein.

Was ist Deine Erfolgsformel bei Filmen?

Ich glaube, dass ich bei einem breiten Publikum so erfolgreich bin, liegt daran, dass man die Ehrlichkeit in den Figuren erkennt und man sich mit ihnen identifizieren kann. Und ich kenne eine Menge Filme, die als intelligent angesehen werden, aus denen das Publikum herauskommt und sagt: „Das alles ergibt doch keinen Sinn! So funktioniert das Leben nicht.“ Die Filmemacher haben vielleicht wichtige Universitätsabschlüsse, aber keine Ahnung davon, wie Menschen funktionieren.

Du bist ja jetzt verlobt, inwiefern hat Dich das verändert?

Ich bin irgendwann in eine Phase gekommen, in der ich mehr als je zuvor eine Familie wollte. Meine Schwestern hatten schon Kinder, ich war Onkel und liebte schon immer Kinder. Und dann hatte ich das Glück, eine Kanadierin mit deutschen Vorfahren kennen zu lernen, Kyla Weber. Mein bester Freund ist mit ihrer besten Freundin verheiratet. Die beiden sind zusammen aufgewachsen und ich habe sie durch die Frau meines Freundes kennengelernt, was ein schöner Weg ist, jemandem zu begegnen. Sie bringt mich zum Lachen, ich respektiere sie, und ich war bereit, eine Beziehung einzugehen. Im Laufe unseres Lebens durchleben wir die unterschiedlichsten Phasen. Früher wollte ich keine Kinder, heute schon. In der Phase bin ich im Moment. Aber auch das könnte sich wieder ändern, das weiß man nie. Aber es ist toll, jemanden zu haben, mit dem man gerne Zeit verbringt. Es ist schön, jemanden zu lieben. Es ging mir weniger darum, eine Beziehung zu haben oder jemanden für mich zu gewinnen. Mir ist es wichtiger, jemanden zu haben, den ich lieben kann und für den ich Dinge tun kann. Das ist das Interessante für mich an einer Beziehung.

Sind denn eine Hochzeit geplant und Kinder?

Ja, das hoffe ich schon. Einen Termin habe ich noch nicht festgemacht, aber das werde ich bestimmt irgendwann in Angriff nehmen. Das wird sicherlich ein weiteres Kapitel in meinem Leben. Und ich wünsche mir auch, Vater zu werden.

Hast Du Ambitionen, in Zukunft selbst mal einen Film zu inszenieren?

Vielleicht, für mich geht es immer um die Zusammenarbeit. Es ist mir aber nicht so wichtig, dass ich sagen würde: „Ich muss Regie führen!“ Wenn der richtige Stoff an mich herangetragen wird, würde ich es machen. Aber das ist nicht eine meiner höchsten Prioritäten.

Wie war es, mit Freunden zu arbeiten?

Der einzige Grund, warum ich die alle im Film untergebracht habe, war, weil sie mir alle noch Geld schuldeten (lacht). Nein, im Ernst, es ist toll, mit Freunden zusammenzuarbeiten. Mit Peter Billingsley arbeite ich schon eine ganze Weile beruflich zusammen. Er produzierte den ersten Film, den Jon Favreau inszenierte, und das war auch der erste Film, den ich produzierte, „Made“. Dann produzierten Peter und ich gemeinsam „Trennung mit Hindernissen“, danach produzierte er „Iron Man“ für Jon. Das Teamwork dauert also schon eine ganze Weile an. Auch Favreau und ich sind schon sehr lange berufliche Partner, das begann ja damals mit „Swingers“ und dauerte über all die Jahre an. Die Namen und Titel waren verschieden, aber die Zusammenarbeit und der Ideenaustausch war derselbe.

Wie wichtig ist Freundschaft Deiner Meinung nach im Filmbusiness?

Ich weiß nicht, wahrscheinlich genauso wichtig wie in jedem anderen Job auch. Wenn es jemand ist, dessen Ideen du respektierst, dann ist es einfach, mit ihm zusammen an einer Geschichte zu arbeiten. Wenn man mit jemandem nicht einer Meinung ist, wer will sich dem dann schon aussetzen? Es macht Spaß, mit Menschen zu arbeiten, die man respektiert, die einen auch in der eigenen Arbeit beflügeln, darum geht es meiner Meinung nach dabei.

 
Interview: Frank Brenner für film.de
 
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