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Vin Diesel im Interview
01.04.2009
Wie war es denn, nach all den Jahren zu deiner "Fast & Furious"-Figur zurückzukehren?
Es versteht sich von selbst, dass der spannende Teil an einer Rolle, zu der man nach mehreren Jahren zurückkehrt, darin liegt, dass man eine geschickte Erklärung für all die Zeit finden muss, in der die Figur von der Bildfläche verschwunden war. Das muss man bei der Darstellung seines Charakters berücksichtigen, man muss ihn innerlich ein wenig weiterentwickeln. Das Tolle an diesem Film ist, dass er sehr stark von seiner Geschichte gelenkt wird. Meine Figur ist der Motor der Geschichte, aber erst die Umstände zwingen ihn dazu, aktiv zu werden. Und genau diese Tatsache, dass die Geschichte das Wichtigste am Film ist, unterscheidet ihn von den vorangegangenen Fortsetzungsversuchen. Ich hatte mit denen nichts zu tun, das sollte uns doch schon alles sagen, oder?
Aber Du hast nicht generell etwas gegen Fortsetzungen?
Ich glaube, ich bin ein Idealist. Ich rühme mich damit, bis zu einem gewissen Grad ein klassischer Filmemacher zu sein, und ich bin der Ansicht, dass Fortsetzungen immer in der Tradition von Francis Ford Coppola stehen sollten. Der neue Film muss ein Teil zwei sein wollen. Heutzutage läuft das aber in der Popkultur anders ab: Sie machen einen Film, er ist erfolgreich, sie nehmen ihn, wärmen ihn wieder auf, kleben eine 2 hinter den Titel und bringen ihn ins Kino. Aus genau diesem Grund hat es bei mir so lange gedauert, bis ich zu der Rolle zurückgekehrt bin. Denn ich glaube, eine Fortsetzung sollte von ihrer Geschichte leben und die ihres Vorgängers weitererzählen und nicht nur eine Möglichkeit sein, noch mehr Geld aus deinem Publikum herauszuschlagen. Nachdem ich das Drehbuch dieses Films so sehr mochte, habe ich auch ein Angebot erhalten, das ich nicht ablehnen konnte.
Paul Walker sagt im Film, dass er an deinem Charakter bewundert, dass er Prinzipien hat und dass ein Mann nichts ist ohne Prinzipien. Was sind deine Prinzipien?
Ich lasse mir für alles Zeit und bin schon oft dafür kritisiert worden. Das wissen einige Leute aber auch zu schätzen, und sie schätzen es insbesondere dann, wenn sie erkennen, warum ich mir soviel Zeit gelassen habe. Integrität ist mir auch sehr wichtig. Ich kann mich ohne sie nicht auf einen Film einlassen, ganz egal, ob es sich dabei um einen Actionstreifen oder einen Sidney-Lumet-Film handelt. Ich gehe an alle Filme gleich heran. Ich möchte, dass ich in jeder meiner Rollen authentisch wirke. Und in einem Fall wie diesem ist es mir sehr wichtig, dass die Fortsetzung mit dem ersten Film harmoniert. Man soll die beiden Filme hintereinander anschauen können und dabei muss dann alles Sinn ergeben.
Das klingt so, als ob Du auf die Teile zwei und drei nicht so gut zu sprechen wärst?
Es darf nicht, wie ich schon sagte, nur um das schnelle Geld gehen. Die Produzenten haben sich, offen gesagt, schuldig gemacht, ihrem Publikum Müll vorgesetzt zu haben. Ich habe lieber gewartet, bis eine richtige Geschichte zustande kam, bei der man am Ende auch hinter dem Ergebnis stehen konnte. Es genügt eben nicht, sich auf einige Tricks zu stützen oder sich auf Dinge zu verlassen, die zuvor funktioniert hatten, wie Autos, Verfolgungsjagden und Frauen. Diese Elemente dürfen das Kernstück, das Herz des Films nur unterstützen, aber nicht das Kernstück selbst sein. So sehe ich das jedenfalls. Und wenn das nicht der Fall ist, muss man Jobs eben auch mal ablehnen und auf das Geld verzichten.
Weil Du sonst Deiner Karriere schaden würdest?
Ich bin ein Langstreckenläufer, ich habe keine Ambitionen, irgendwann einmal was anderes zu machen. Ich hab nie was anderes gemacht, ich bin Schauspieler, seit ich sieben Jahre alt bin. Ich wusste schon damals, dass ich für den Rest meines Lebens mit dem Medium Film zu tun haben möchte. Deswegen möchte ich mein Publikum nie verraten, und ich möchte auch nie, dass es auch nur glaubt, ich würde es verraten. Ich möchte, dass man weiß, dass ich jeden einzelnen meiner Filme mit meinem Herzen gemacht habe.
Es gibt in dem Film Szenen, in denen sich Frauen gegenseitig küssen und lesbischen Sex andeuten. Was steckt dahinter?
Frauen, die sich küssen, hat man in den "Fast and Furious"-Filmen schon häufig gesehen. Das hat alles mit Rob Cohen angefangen, der sehr progressiv ist. Ich weiß zwar nicht genau, warum er damit angefangen hat, aber mein Produktionspartner Neal Moritz findet diese Szenen extrem scharf und findet immer wieder eine Stelle in den Filmen, in die er sie einbauen kann. Komischerweise bin ich nie am Set, wenn sie die drehen. Ohne jetzt zu abschätzig klingen zu wollen, weiß ich nicht so recht, was Neal an diesen Szenen so mag und warum er glaubt, dass das einfach dazu gehören müsste.
Warum, glaubst Du, sind sie dann trotzdem immer dabei?
Diese Szenen sind ein Überbleibsel der vorangegangenen Filme und Neal fühlt sich sicherer damit, diese Komponenten weiterhin beizubehalten. Ich glaube auch noch nicht einmal, dass dabei der homosexuelle Aspekt im Vordergrund steht. Neal möchte wohl eher glauben, dass damit ein progressives Image transportiert wird. Er möchte wohl zum Ausdruck bringen, wie schnell und schnittig es in der Welt der schnellen Autos wirklich zugeht. Und ein klein wenig soll damit wohl auch ein Schockeffekt erzeugt werden.
Vor Deiner Schauspielkarriere warst Du Türsteher in New York…
Ich habe aus mehreren Gründen den Job als Türsteher angenommen: Zum einen war ich damals schon Schauspieler und konnte nur nachts arbeiten, damit ich tagsüber Zeit hatte für das Theater. Zum anderen hab ich mich nie in der Rolle eines Kellners gesehen, wie alle anderen in meiner Theatergruppe, die damit ihr Geld verdienten. Das Kellnern hat mir nie gelegen, deswegen bin ich Türsteher und Rausschmeißer geworden.
War diese Zeit schwierig für Dich?
In den ersten Jahren waren das fantastische Erfahrungen, die ich als Türsteher gesammelt habe. Dann sind Freunde von mir in diesem Job gestorben. Ein Kumpel von mir namens Rock überlebte einen Vorfall nur mit sehr viel Glück, er arbeitet übrigens mittlerweile als Kriminalpolizist. Ich weiß nicht, ob Du schon einmal von dem New Yorker Club Mars gehört hast, der von einem Deutschen namens Rudolf geleitet wurde, eine echte Größe in der New Yorker Nachtclubszene, der das Danceteria gegründet hat, dann The Tunnel und schließlich Mars. Dort haben Rock und ich am Eingang gearbeitet, als irgendwann einmal einer durchdrehte, weil wir ihn nicht rein gelassen hatten. Er kam zurück und schlitzte Rock die Kehle von der einen Seite zur anderen auf. Er lag wochenlang im Krankenhaus und wir fürchteten, er würde es nicht überleben. Ein Jahr später wurde ein anderer meiner Kumpels am Palladium erschossen. Irgendwann hatte dieser Job für mich dann seinen Reiz verloren. Wenn man zu lange dabei bleibt, läuft man Gefahr, dass etwas passiert, deswegen habe ich nach neun Jahren aufgehört.
Also überwiegen die negativen Erinnerungen an diese Zeit?
Nein, um die Wahrheit zu sagen, ich hatte auch eine ganze Menge Spaß! Ich war ein Filmstar, noch bevor ich ein Filmstar war! Es war das Paradies – jeden Abend rund 3000 Leute. Aber ich war auch ein Entertainer-Rausschmeißer, was mir häufig Ärger einbrachte. Weißt Du auch, weswegen ich Ärger bekam? Weil ich tanzte! Nachdem die letzten Gäste gegangen waren, hatten wir immer ein Security-Meeting und jedes Mal wurde ich von meinem Security-Chef und dem Manager ermahnt: "Vin, was hatte ich Dir über das Tanzen gesagt? Du sollst hier nicht tanzen!" Jeden Abend das gleiche, es war ein Running Gag.
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