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Sir Roger Moore
09.07.2009
Sind Sie nicht ein wenig neidisch auf Sir Sean Connery, der seinen Adelstitel vor Ihnen bekommen hat, obwohl er drei Jahre jünger ist, und nun auch seine Memoiren zwei Monate vor Ihren veröffentlichte?
Es ist nicht mein Fehler, dass er drei Jahre jünger ist als ich, und auch nicht sein Fehler. Es ist auch nicht mein Fehler, dass er seine Memoiren geschrieben hat. Wobei ich glaube, dass es gar keine echten Memoiren sind, sondern dass es eher um Schottland geht, soweit ich informiert bin. Haben Sie sie gelesen oder kennen Sie jemanden, der sie gelesen hat? Vielleicht ist sein Buch ja in Schottland ganz erfolgreich, aber was den Rest der Welt betrifft, bin ich mir da nicht so sicher. Aber ich weiß, dass Sean eine Geschichte erzählen kann, wenn er eine erzählen möchte. Er kennt Millionen davon. Denn er spielt Golf, und Leute, die Golf spielen, erzählen Geschichten. Denn sie haben die Zeit dazu.
Also gibt es keine Rivalitäten zwischen Ihnen beiden?
Oh, nein. Wir sind eng miteinander befreundet. Aber keiner von uns beiden arbeitet ja heute noch. Abgesehen davon, dass wir unsere Memoiren schreiben.
Aber Sie sind ja noch sehr aktiv mit Ihrer Arbeit für UNICEF und machen nun eine Promotion-Tour für Ihre Autobiografie. Was hält Sie denn so jung?
Meine Frau! Von ihr bekomme ich jeden Morgen meinen Haferbrei, das gibt mir Energie. Außer in Hotels, denn dort bekommt man keinen guten Haferbrei, aber egal. Außer der Tatsache, dass ich mich in meinem Buch über die Krankheiten während meiner Kindheit auslasse und beklage, hatte ich ein recht gesundes Leben. Seit meiner Armeezeit bin ich es gewohnt, täglich zu trainieren. Über all die vielen Jahre hinweg, stärkt das den Widerstand des Körpers, auseinanderzufallen. Aber mit über 80 funktioniert dann doch nicht mehr alles ganz so einfach, aber ich beklage mich nicht…zumindest nicht oft.
Sie haben einige Episoden der Fernsehserien, in denen Sie mitgespielt haben, auch selbst inszeniert. Hatten Sie nie den Wunsch, auch mal einen Spielfilm zu inszenieren?
Doch, den habe ich. Aber das Problem dabei ist immer, dass man dann auch möchte, dass ich in dem Film auch mitspiele. Aber ich möchte mich nicht selbst in einem Spielfilm inszenieren, weil ich mich dafür nicht für talentiert genug halte. Im Fernsehen ist das einfach. Man kennt seine Figur, man weiß, was man zu tun hat. Aber beim Film ist das eine wirklich anstrengende Sache. Für eine Serienepisode hat man etwa acht oder neun Drehtage. Aber ein Spielfilm kann sich zehn, zwölf Wochen oder gar vier Monate hinziehen. Als Regisseur hat man ununterbrochen am Set zu sein, ist immer auf den Beinen, das kann ganz schön anstrengend werden.
Gibt es etwas in Ihrer Karriere, das Sie wirklich bereuen und nicht noch einmal tun würden, wenn Sie die Chance dazu hätten?
Nein, ich denke nicht, dass ich irgendwas an meiner Karriere bereue. Das Gute, das Schlechte und das Gleichgültige, alles hat am Ende seinen Zweck erfüllt. Ich habe am Broadway 1953 ein großartiges Theaterstück gespielt, vom 17. September bis zum 17. September. Ich bedauere nicht, dass es nur einen Abend lief, denn so hatte ich am nächsten Tag frei für andere Dinge (lacht). Das Leben ist schon eigenartig. Manchmal ist man enttäuscht, wenn etwas nicht so klappt, wie man es sich erwünscht hat. Wenn ich eine bestimmte Rolle spielen wollte, und dann das Geld nicht zusammenkam, um den Film zu finanzieren. Aber das sind alles Facetten im vielfältigen Muster des Lebens – um uns zu ärgern, oder um zu sehen, wie wir darüber hinwegkommen können.
Haben Sie die Bond-Filme eigentlich weiterverfolgt, nachdem Sie aus der Rolle ausgestiegen waren?
Ich habe von einigen ein paar Ausschnitte gesehen, aber „Casino Royale“ und „Ein Quantum Trost“ habe ich sogar komplett gesehen. Sie haben mir beide sehr gut gefallen. Ich mochte dabei besonders Daniel Craigs Arbeit. Derzeit gibt es sogar in Saarbrücken eine Konferenz über Bond und dessen kulturellen Einfluss („The Cultures of James Bond“ fand vom 5. bis 7. Juni an der Saarland-Universität statt, die Red.). Keine Ahnung, wo in Bond Kultur stecken soll (lacht).
Könnten Sie sich vorstellen, in einem der künftigen Daniel-Craig-Bondfilme einen Kurzauftritt zu absolvieren? Sie erwähnten mal, dass Sie gerne in einem mitwirken wollten…
Ja, um den Bond-Gegner zu spielen. Aber in einem Daniel-Craig-Bond würde ich nie den Gegner spielen, Gott bewahre! Wenn der mich nur anschaut, falle ich auf der Stelle tot um. Der ist ein viel zu harter Bursche! Als ich selbst noch Bond spielte, kamen sie irgendwann an einen Punkt, wo sie Probleme hatten, Gegner zu finden, die alt genug aussahen, damit man mir abnahm, dass ich sie k.o. schlagen könnte.
Aber Sie könnten ja vielleicht auch eine Art Vaterfigur oder Mentor für Bond spielen…
Nein, ich glaube nicht, dass das im Bond-Kontext funktionieren würde. Ich glaube nicht, dass man das so machen könnte wie Sean mit Harrison Ford, als er Indiana Jones’ Vater wurde. Meiner Meinung nach hat Bond keinen Vater, ich glaube, er ist ein Bastard.
Sie erwähnen in Ihrem Buch, dass Ihre aktuelle Ehe die bislang glücklichste ist…
Ohne jede Frage!
Ist es als Schauspieler im Ruhestand einfacher, eine funktionierende Partnerschaft zu führen?
Ich hatte in meinem gesamten Leben eine Menge Glück. Es sind einige etwas schmerzhafte Dinge passiert, einiges Anderes war absolut wunderbar und fantastisch. Das Gute überwog aber das Schlechte. Wahrscheinlich habe ich mehr bekommen, als mir zustand. Aber das versuchen wir nun ein wenig auszugleichen, indem wir etwas Nützliches tun mit unserer Arbeit für UNICEF.
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