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Robin Wright

01.07.2010

Bis vor kurzem – und auch noch in den Credits ihres neuen Films „Pippa Lee“ – trug Robin Wright auch noch den Namen ihres langjährigen Ehemannes Sean Penn, von dem sie sich derzeit scheiden lässt. Darüber wollte die 44-jährige, die ihre Karriere mit der Seifenoper „California Clan“ begann, bevor sie mit Filmen wie „Die Braut des Prinzen“, „Forrest Gump“ oder „Message in a Bottle“ zum Star wurde, mit Film.de nicht wirklich sprechen. Aber über ihre alles andere als geradlinig verlaufene Karriere, ihr politisches Engagement und natürlich die Titelrolle in Rebecca Millers Romanverfilmung (ab 1. Juli im Kino) gab sie im Interview gerne Auskunft.

Robin Wright
Robin Wright

Robin, die von Ihnen gespielte Pippa Lee ist eine ziemlich seltsame Frau. Was war es, das Sie an dieser Figur am meisten interessiert hat?

Zunächst mal vor allem die Demaskierung dieser Frau, die sich eigentlich gar nicht bewusst war, dass sie überhaupt eine Maske trägt. Es ist, als würde ihr wahres Ich wie ein Alien aus Pippa herausbrechen, dass dann – auf wunderbare Weise – ihr gesamtes Leben umkrempelt. Ich konnte beinahe wieder ein Kind sein und die Welt um mich mit staunenden Augen betrachten. Als Schauspielerin hat man nicht allzu oft die Gelegenheit, diesen Rohzustand der Unschuld spielen zu dürfen. Abgesehen davon war es fantastisch, die wunderbare Filmemacherin Rebecca Miller bei Arbeit beobachten zu dürfen, die für mich die wahre Pippa Lee ist.

Tatsächlich?

Oh ja! Ich habe Rebecca in vielerlei Hinsicht als Vorlage für Pippa genommen. Angefangen mit Bewegungen und Gesichtsausdrücken bis hin zu diesem gewissen Funkeln in ihren Augen. Ein bisschen was habe ich mir aber auch bei Blake Lively abgeguckt, die Pippa als Teenager spielt. Ich habe mir gleich zu Beginn ihre Probeaufnahmen angeschaut, um irgendwie eine Ähnlichkeit zwischen uns herzustellen. Was die Persönlichkeit angeht, haben die beiden Pippas ja nichts gemein. Aber körperlich musste man irgendwie glauben, dass diese entzückende Mädchen und ich dieselbe Person sind.

Haben Sie denn auch bei sich selbst Parallelen zu Pippa entdecken können? Oder braucht man gar keinen persönlichen Bezug, um eine Figur spielen zu können?

Das ist, denke ich, von Fall zu Fall verschieden. Da ich keine ausgebildete Schauspielerin bin, weiß ich nicht, was die klassischen Methoden sind, um sich eine Rolle zu entwickeln. Ich habe keinen blassen Schimmer, was ich da tue. Aber ich mache es einfach – und bediene mich immer der Mittel, die gerade passen. Das müssen nicht immer eigene Erfahrungen sein.

20 Jahre vor der Kamera sind doch auch eine Art Ausbildung, oder?

Vielleicht kann man das so sagen. Aber manchmal bedauere ich es schon, dass ich nie eine richtige Schauspielausbildung genossen habe. Ein paar Tricks und Techniken in petto zu haben, das könnte nicht schaden. Das wäre quasi der Tropfen Schmieröl, der meinen Motor noch reibungsloser laufen ließe. Allerdings will ich mich auch nicht beschweren. Ich komme auch so zurecht und suche mir für jede Rolle eben meine ganz persönliche Herangehensweise.

Als Schauspielerin tragen Sie auch immer wieder Masken. Ist das vielleicht eine Parallele zu Pippa?

Aber anders als sie schlüpfen wir doch freiwillig und sehr bewusst in falsche Identitäten. Außerdem werden wir dafür auch noch bezahlt. Pippa dagegen lebt eine Lüge – und hat so letztlich ihr Leben verschenkt. Womit ich übrigens nicht sagen will, dass es nicht auch in Hollywood die eine oder andere Pippa gibt. Ich kenne eine berühmte Kollegin, die eine ganze Weile versuchte, sich als anspruchsvolle Charakterdarstellerin zu verkaufen. Irgendwann kam dann der Zusammenbruch und die Erkenntnis, dass sie vorgegeben hat etwas zu sein, was sie gar nicht ist. Seither dreht sie doch wieder kommerzielles Kino für die Masse.

Muss man als Schauspielerin besonders aufpassen, nur den anderen, aber nicht sich selbst etwas vorzumachen?

Ich glaube, jeder Mensch sollte aufpassen, sich selbst nichts vorzumachen. Aber leider gelingt uns das eben nicht immer. Und ich fürchte, dass immer erst etwas passieren muss, bis wir uns selbst darüber bewusst werden. Sei es, dass man sich selbst beim Schlafwandeln erwischt. Oder dass man feststellt, dass der Ehemann eine andere hat. In dieser Hinsicht ist „Pippa Lee“ schon ein wenig exemplarisch.

Hat es Sie eigentlich nie gestört, dass Ihre Figur in dem Film älter ist als Sie selber?

Um Gottes Willen, nein! Was für ein Quatsch... Die paar Jahre! Außerdem ist das nun einmal mein Job: jemanden spielen, der ich nicht bin. Ob diese Figuren dann älter oder jünger sind, ist doch vollkommen egal. Und gegen meine Fältchen habe ich sowieso nichts.

Sie strahlen richtig, wenn Sie über „Pippa Lee“ sprechen...

Das ist einfach ganz klar die beste Rolle, die ich in meiner Karriere bisher spielen durfte. Die Rolle meines Lebens! Ich hätte meinen linken Arm dafür gegeben, sie zu spielen. Natürlich verspüre ich immer Begeisterung für eine Rolle, sonst würde ich sie nicht annehmen. Aber „Pippa Lee“ ist wirklich etwas ganz Besonderes, denn diese Figur ist so vielschichtig und komplex wie man es selten findet. Das ist schon interessanter als wenn man nur ein paar Tage als Ehefrau oder Mutter des Protagonisten vor der Kamera steht.

Von solchen Rollen halten Sie sich doch aber ohnehin meistens fern, nicht wahr?

Ich war einfach immer schon anspruchsvoll was meine Rollenauswahl angeht. Vielleicht sogar allzu übertrieben. Denn natürlich schadet es einem, wenn man das übliche Hollywood-Spiel nicht mitspielt. Nicht zuletzt finanziell, denn wer sich nicht an die Regeln hält, wird nie zum Star – und bekommt entsprechend nicht die großen Rollen mit den üppigen Schecks. Aber wenn es darauf ankam, habe ich an all diese Dinge einfach nie gedacht. Ich bin noch nie vor drastischen Entscheidungen zurückgeschreckt und zerbreche mir selten den Kopf über Konsequenzen. Einfach weil es nicht zu meiner Persönlichkeit, meine Ideale zu verraten.

Über die Folgen Ihrer Entscheidungen denken Sie nicht nach?

Nicht wenn es um den Beruf geht. Sonst natürlich schon! Als Mutter ist mein Job, rund um die Uhr alle Konsequenzen abzuwägen. Und auch in einer Beziehung sollte man darüber nachdenken, welche Folgen es haben könnte, wenn man etwas Bestimmtes sagt oder tut. Nur im Privaten kenne ich deswegen auch so etwas wie Reue oder Bedauern. Mich darüber ärgern, dass ich damals die Rolle in „Batman Forever“ abgelehnt habe, käme mir dagegen nie in den Sinn.

Ist es denn aber nicht unglaublich schwierig, sich dem wirklich zu entziehen, wenn man nicht arbeitslos sein will?

Nein, finde ich nicht. Man hat immer die Wahl. Ich habe mich fürs Glücklichsein entschieden. Und für meine Familie. Das ist mir nie schwer gefallen.

Trotzdem haben Sie in den letzten beiden Jahren so viel gedreht wie lange nicht. Woher dieser neue Arbeitseifer?

Naja, meine Kinder sind jetzt erwachsen und teilweise schon aus dem Haus. Zum ersten Mal seit langem fühle ich mich bereit, mich wieder mit voller Energie meinem Beruf zu widmen. Außerdem habe ich schlicht und einfach mehr Zeit!

Einige der kleinen Filme, in denen Sie in den vergangenen Jahren mitgespielt haben, haben Sie auch produziert. Ist das der Beginn einer neuen Karriere?

Das würde mich sehr freuen. „Virgin“ und „Hounddog“ waren Filme, die ohne meine Unterstützung wohl nicht zustande gekommen wären. Aber ich wollte diese Rollen unbedingt spielen, deswegen habe ich mich dafür eingesetzt. Ich hoffe sehr, dass ich das bald wieder tun kann, auch bei Filmen, in denen ich gar nicht mitspiele. Besonders gerne würde ich engagierte Dokumentarfilme produzieren – und vielleicht auch mal selbst eine drehen.

Haben Sie bestimmte Themen im Sinn?

Afrika mit all seinen Krisen und Konflikten liegt mir schon lange am Herzen. Vergangenes Jahr war ich zum Beispiel sehr aktiv im Kongo engagiert. Letztlich geht es mir darum, wichtige Themen festzuhalten und nach Washington zu bringen, um auf sie aufmerksam zu machen. Ich will einfach helfen, ein Bewusstsein zu schaffen für die Probleme, die mir am Herzen liegen.

Finden Sie, dass Prominente wie Sie geradezu verpflichtet sind, sich sozial und politisch zu engagieren?

Meiner Meinung nach ist jeder verpflichtet, sich zu engagieren, ganz egal ob prominent oder nicht. Unsere Welt geht uns alle an, wir gehören alle zusammen! Ich kann gar nicht beschreiben wie wütend es mich macht, wenn wir Schauspieler dafür kritisiert werden, dass wir uns zu politischen Themen äußern. Sind wir plötzlich nicht mehr Teil der menschlichen Gesellschaft, nur weil wir berühmt sind? Das ist doch eine Unverschämtheit. Wir alle sind darauf angewiesen, dass sich unsere Mitmenschen für uns einsetzten, also sollten wir es auch alle selbst tun.

 
Jonathan Fink für Film.de
 
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