Wenn Filmemacher sich dem Jenseits zuwenden, besteht die Gefahr, dass sie sich dabei haltlos im Megakitsch verlieren: Davor war Vincent Ward mit „Hinter dem Horizont“ nicht gefeit und auch Darren Aronofsky nicht mit „The Fountain“ und nun hat es sogar „Herr der Ringe“-Überregisseur Peter Jackson erwischt. Wie seine beiden Kollegen vor ihm, bietet auch er alles auf, was der digitale Trickkasten hergibt, um das Paradies in den knalligsten Farben möglichst märchenhaft zu illustrieren. Das soll dann wohl imposant, alle Gesetze von Raum und Zeit sowie unsere Vorstellungskraft sprengend und daher wie von göttlicher Hand erschaffen wirken, sieht aber eher so aus, als hätte man Klein-Fritzchen einen digitalen Tuschkasten zum Spielen in die Hand gedrückt.
Zumal – und das ist das eigentlich Entscheidende – der Film diese visuellen Mätzchen gar nicht nötig gehabt hätte. Denn seine Geschichte ist stark, beruht sie doch auf dem gleichnamigen Bestseller von Alice Sebold (in dem man nach solch kunterbunten Beschreibungen des Jenseits übrigens vergebens sucht). Das Darstellerensemble um Mark Wahlberg, Rachel Weisz, Susan Sarandon, Stanley Tucci und die erst 15-jährige Saoirse Ronan, die ein echtes Naturtalent darstellt, ist erstklassig. Und dazu beweist Peter Jackson in einigen toll inszenierten, hochemotionalen Momenten und vielen Details einmal mehr, dass er ein großartiger Regisseur ist.
Er erzählt die Geschichte der 14-jährigen Susie (Ronan), die von einem Nachbarn brutal ermordet wird. Ihre Leiche bleibt jedoch verschwunden und ihr Mörder hat seine Spuren gut verwischt, sodass die Polizei bei der Aufklärung chancenlos bleibt (zumindest in den frühen 1970er Jahren, wo die technischen Möglichkeiten noch nicht so weit fortgeschritten waren, wie wir das aus den aktuellen US-TV-Serien kennen). Aus dem Himmel heraus beobachtet Susie, wie schwer sich ihre Familie mit der Akzeptanz ihres Tods tut. Trotzdem gelingt es ihr auf subtile Weise, Kontakt mit verschiedenen Menschen im Diesseits aufzunehmen und Hinweise auf ihren Mörder zu streuen. Doch bei ihren himmlischen Recherchen muss Susie noch eine weitere, schreckliche Entdeckung machen.
Wenngleich sich Jacksons ungewöhnliche Mörderjagd gegen Ende immer mehr in die Länge zieht und zerfasert, kann man der ambitionierten Geschichte ein hohes filmisches Potenzial nie absprechen. Nur leider wird dieser Eindruck von den Bildern des digitalen Kitsch-Massakers erheblich getrübt, die einem als völlig unpassend noch viel zu lange in Erinnerung bleiben.
Dirk Lüneberg, Redaktion film.de
- Film.de Bewertung:
- Kritik vom 14.02.2010
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