Trailer:Räuber Kneissl…, Kinostart: 21. August 2008
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Filminfomationen
Räuber Kneissl
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Räubern im bayerischen Wald
Der aktuelle Film Marcus H. Rosenmüllers, der 2006 mit seinem Erstling „Wer früher stirbt, ist länger tot“ einen Überraschungserfolg landen konnte, richtet sich an den Liebhaber der bayerischen Heimatklamotte. Selten grünte, blühte, fluchte, flüchtete und versteckte es sich im Kino so bayerisch wie hier. Das liegt zum einen an den bayerischen Wiesen und Wäldern, die der Film in wechselnden Sonnenauf- und -untergängen zelebriert, zum anderen am konstanten Dialekt der Darsteller. Als Nichtbayer legt man deshalb immer mal fragend die Hand ans Ohr oder sinniert stumm vor sich hin: Ja, wos do woi gmoand wah? Das man nicht alles versteht, tut indes wenig zur Sache.
„Räuber Kneißl“ erzählt im Anschluss an die Lebensstationen des historischen Räubers aus Bayern eine Geschichte, in der Gut und Böse klar verteilt sind: Die Kneißls, denen der gesuchte Mathias Kneißl (Maximilian Brückner) entstammt, sind eine grundgute, wenngleich arme Familie, die kapitale Hirsche aus dem Wald nach Hause schleppt und in Kirchen räubert. Dafür wird sie von einigen depperten Polizisten verfolgt, von denen der eine (Thomas Schmauser) den Kneißls das Freibeutertum so neidet, dass sich beim Zuschauer bald Erheiterung einstellt. Besagter Polizist macht es sich zur Lebensaufgabe, den Räuber zu fangen. Die Parameter des anderthalbstündigen Heimatfilms, der im Folgenden versucht, aus der Flucht des erwachsenden Kneißls vor der Polizei und dessen Liebe zu Mathilde (Brigitte Hobmeier) eine Story zu bauen, wären damit abgesteckt.
Wenig Entwicklungsmöglichkeiten bietet der Film seinen Figuren, die mit einem lausbubenhaften Maximilian Brückner (der ob seines zuversichtlich-schnurrbärtigen Blickes den Bayer par excellance verkörpert) bis hin zur besorgten Mutter Kneißl („Tatort“-Komissarin Maria Furtwängler) zwar gut, aber auch reichlich stereotyp besetzt sind. Natürlich rollen die Tränen der Mutter im richtigen Moment und wildert der Sohn als immerpfiffiger Flegel durch die Gegend – mehr Beobachtung und weniger Pathos hätte dem Film, der sein Lied zwischen Heimatschmonzette und Tragikkomödie anstimmt, indes gut getan.
Im bayerischen Dorf des 19. Jahrhunderts wird zudem mehr illustriert als erzählt: Der Klapperwagen mit den Kohlblättern fährt im richtigen Moment durchs Bild, die Holzpritsche, auf der Mutter Kneißl so steif liegen muss, wirkt wie ausgestellt. Der historische Kneißl, der mit 27 Jahren exekutiert wurde, hatte vermutlich ein hartes Leben und wir wissen nicht, ob er das Lokalkolorit seiner Heimat ebenso zu genießen wusste wie sein Kinonachgänger. Einen pathetischen Wald- und Wiesenstreich hat Rosenmüller fabriziert, der aus dem Leben des bayerischen Robin Hood einen ernsten Schwank fabrizieren wollte. Dies ist ihm nicht geglückt.
Kathleen Prüstel, film.de Redaktion
- Film.de Bewertung:
- Kritik vom 21.08.2008
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