Die Zeichen stehen alles andere als günstig für den gigantischen Vietnamkriegsfilm Tropic Thunder von Regisseur Cockburn (Steve Coogan). Wen wundert’s, muss der sich doch mit den überlebensgroß aufgeblasenen Egos seiner drei Hauptdarsteller herumschlagen: Die Karriere von Actionstar Tugg Speedman befindet sich derzeit an einem Tiefpunkt und soll reanimiert werden; einen Imagewechsel strebt dagegen der vor allem mit Pups-Orgien in Fäkal-Komödien bekannt gewordenen Jeff Portnoy an. Besonders ernst nimmt den Job dafür der fünffache Oscar-Gewinner Kirk Lazarus, der sich für die Rolle eines afroamerikanischen Vietnam-Kämpfers extra die Haut hat dunkel pigmentieren lassen. Sie alle stehen im Dschungel Südostasiens vor Cockburns Kamera mit dem deprimierenden Ergebnis, dass das Projekt sich nach nur fünf Drehtagen schon einen Monat im Verzug befindet.
Besser stehen da die Zeichen für „Tropic Thunder“ von Regisseur Ben Stiller. Der hat sein Film-im-Film-Projekt mit sich selbst, Jack Black und Robert Downey jr. nicht nur hochkarätig und passend besetzt, mit einem Auftritt von Tom Cruise in der Nebenrolle eines hypernervösen Hollywood-Produzenten ist ihm sogar ein kleiner Coup gelungen. Mit Arschloch-Attitüde, Halbglatze, Fatsuit und abgefahrenen HipHop-Moves legt Cruise hier seinem lustigsten Auftritt seit „Magnolia“ hin – wohl nicht zuletzt, um seinen Coolnessfaktor nach peinlichem Couch-Gehopse und Stauffenberg-Größenwahn wieder etwas zu erhöhen.
Ähnlich verzweifelt greift Regisseur Cockburn zur Rettung seines Films zu drastischen Maßnahmen: Er setzt die Darsteller im Dschungel aus mit der Ansage, der Film werde nun im Guerilla-Stil mit versteckten Kameras weitergedreht. Worauf die Schauspieler-Schlaffis erstmals zeigen müssen, was wirklich in ihnen steckt.
Angereichert mit gelungenen Gastauftritten von Tobey Maguire und vor allem Matthew McConaughey als übermotivierten und aalglatten Schauspielagenten ist eine beißend-böse Hollywoodsatire und Action-Komödie in einem entstanden, die zwar gegen Ende ein wenig der Witz verlässt und die sich deshalb in die Action rettet, trotzdem immer noch Spaß macht!
Dirk Lüneberg, film.de Redaktion
- Film.de Bewertung:
- Kritik vom 18.09.2008
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