So schnell ging’s bei James Bond noch nie weiter: Das neue Abenteuer des britischen Geheimdienstagenten schließt nämlich direkt an das Ende des letzten Films an: Eine rasante Verfolgungsjagd auf der Uferstraße des Gardasees raubt einem gleich zu Anfang den Atem und das wird sich bei den kommenden Actionsequenzen nicht ändern. Das obligatorische Schauplatz-Hopping hakt der deutschstämmige Regisseur Marc Forster dafür fast schon beiläufig ab und konzentriert sich wie auch schon sein Vorgänger Martin Campbell verstärkt auf das derangierte Innenleben seines Agenten.
Der hat den Tod von Vesper Lynd aus dem letzten Teil noch nicht recht überwunden und das Verlangen nach Rache schlummert in ihm. Um herauszufinden, wer hinter dem Tod seiner Geliebten steckt, nehmen Bond und M (Judi Dench) Mr. White (Jesper Christensen) in die Mangel, der Mann, den der Agent in der finalen Szene des letzten Films in dessen Villa am Comer See überraschte. Weitere Spuren führen von Italien nach Haiti, wo 007 auf die undurchsichtige Camille (Olga Kurylenko, „Hitman“) trifft, die ihn wiederum zu dem Franzosen Dominic Greene (Mathieu Almaric) führt. Der entpuppt sich als Freund gestürzter Diktatoren, denen er hilft, wieder in Amt und Würden zu kommen, wofür er als Gegenleistung den Zugriff auf eine bestimmte natürliche Ressource ihres Landes fordert.
Auch im weiteren Verlauf wird immer deutlicher, dass der Film mit dem unglücklichen deutschen Titel eigentlich ein Sequel zu „Casino Royale“ ist, werden doch einige Handlungselemente wieder aufgegriffen. Das liegt mit Sicherheit auch an Paul Haggis, der bereits für das Drehbuch von „Casino Royale“ mit verantwortlich zeichnete und hier erneut eine zwar nicht immer ganz logische und manchmal auch etwas holprige, dafür mit aktuellen Bezügen gespickte und fein durchdachte Story ersonnen hat. In deren Mittelpunkt stehen mit Bond und Camille zwei Figuren, deren Antrieb erstmals weniger die Weltenrettung vor einem Oberschurken als die persönlich motivierte Rache ist (auch wenn sich Bond das zuerst selbst nicht eingestehen will und es erst recht nicht M gegenüber zugibt).
Präsentiert wird uns der Protagonist hier wieder als zunehmend ramponierter und sichtlich geschaffter Geheimagent, den Daniel Craig erneut mit einer Mischung aus starker physischer Präsenz und einem sensiblen Kern verkörpert und sich so auch in seinem zweiten Auftritt als gute Wahl für die Rolle erweist. Dies trifft ebenso auf Mathieu Almaric („Schmetterling und Taucherglocke“) als charismatischen Bond-Gegenspieler zu wie auf Regisseur Marc Forster, der mit Filmen wie „Drachenläufer“ oder „Wenn Träume fliegen lernen“ eigentlich eher dem Arthouse-Kino verbunden ist. Temporeich in Dramaturgie und Schnitt sowie äußerst effektiv und effizient, was sich vor allem in dem Verzicht auf einen ausgewalzten Finalkampf auszeichnet, hat Forster dieses 22. Bond-Abenteuer inszeniert. Trotzdem gönnt er uns und seinen Helden immer wieder kleine Verschnaufpausen, in denen auch mal das Innere der Figuren nach außen gekehrt werden darf und nicht nur Martinis geschlürft oder Frauen flach gelegt werden. Wer Daniel Craig als Bond in „Casino Royale“ mochte, dem wird auch diese inoffizielle Fortsetzung gefallen.
Dirk Lüneberg, film.de Redaktion
- Film.de Bewertung:
- Kritik vom 05.11.2008
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