In Zeiten der Krise ist es doch irgendwie beruhigend, wenn man sich auf einige Dinge noch verlassen kann. Zum Beispiel darauf, dass Dan Brown Bücher schreibt, in denen er Robert Langdon, einen Experten für religiöse Symbolistik, auftreten und ihn allerlei Mysteriöses enträtseln lässt. Beruhigend auch, wenn diese Bücher dann von Regisseur Ron Howard verfilmt werden und Tom Hanks Langdon so supersmart verkörpert, dass man sich manchmal wünscht, er würde auf der Stelle von einem Intelligenzschlag mit sofortiger Todesfolge ereilt. Nur auf Audrey Tautou ist diesmal kein Verlass. Die undankbare Rolle der hinter Langdon herhechelnden Stichwortgeberin aus "The Da Vinci Code" hat die Israelin Ayelet Zurer übernommen, die jedoch noch blasser bleibt als ihre französische Vorgängerin.
Diesmal wird Robert Langdon vom Vatikan höchst selbst nach Rom gerufen, da man auf die Expertise des bekennenden Atheisten angewiesen ist. Und die Lage der katholischen Kirche stellt sich in der Tat dramatisch dar: Der Papst ist frisch verstorben, die Konklave zu Wahl eines Nachfolgers grade dabei zu beginnen, da werden vier Kardinäle entführt und der Vatikan mit seiner Vernichtung durch eine neuartige Bombe bedroht. Dahinter steckt die eher wissenschaftlich orientierte Bruderschaft der Illuminaten, die seit 400 Jahren noch eine Rechnung mit den Katholiken offen hat, die nun ein für alle mal beglichen werden soll.
Verlassen kann man sich einmal mehr auf Robert Langdon, den Mann mit der Ausstrahlung einer Teflon-Pfanne, der immer alles weiß und dem genau zum richtigen Zeitpunkt garantiert genau das Richtige einfällt. Fast im Vorübergehen löst der schweinchenschlaue Herr Professor ein Rätsel nach dem anderen und betreibt mit seinen penetranten, besserwisserischen Erklärungen nebenbei noch ein wenig Wissensvermittlung. Dies alles steigert nur leider nicht die Spannung dieses Werbevideos für Rom als Tourismusziel mit Tom Hanks als jederzeit kompetenten Stadtführer. Ein Film, in dem man wie in einem offenen Buch liest, das nur leider ungefähr so aufregend ist wie das über zwei Stunden lange Herunterbeten von Rosenkränzen.
Man kann man sich hier also auf einiges verlassen, nicht zuletzt darauf, dass die Story dieser Sightseeing-Schnitzeljagd mindestens ebenso krude und absurd-abenteuerlich geworden ist wie jene, die der Kinogänger in "The Da Vinci Code" zu schlucken hatte. So ist es nicht verwunderlich, dass Regisseur Ron Howard auch diesmal sichtlich Mühe hat, die geballte Ladung an Informationen, für die die Buchvorlage mehr als 700 Seiten benötigt, um sie dem Leser in aller Ruhe zu vermitteln, in der Kürze von gut zwei Stunden an den Kinozuschauer zu bringen. Entsprechend gehetzt, wie unter Strom stehend und mit Actionsequenzen überfrachtet wirkt seine einfallslos und gefällig in Szene gesetzte Romanverfilmung, Zeit zum Verschnaufen oder die Chance zum Luftholen bekommt der Zuschauer fast nie. Viel Getöse um nichts, denn auch der Versuch, in die Story noch den uralten, aber immer noch aktuellen Konflikt zwischen Religion und Wissenschaft einzubauen, wirkt allzu aufgesetzt.
Alles in allem kann man sich hier also darauf verlassen, etwas ähnlich Uninspiriertes serviert zu bekommen, wie beim ersten Abenteuer von Professor Langdon. Aber es ist ja mal ganz schön, wenn man sich in Zeiten wie diesen überhaupt noch auf irgendetwas verlassen kann.
Dirk Lüneberg, Redaktion film.de
- Film.de Bewertung:
- Kritik vom 12.05.2009
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