Die flehende Bitte von Janis Joplin, der Herr möge ihr doch einen Mercedes Benz kaufen, sind die ersten Worte, die in der derzeit so heiß diskutierten Sachbuch-Verfilmung zu hören sind. Gerichtet sein dürften sie an die Adresse von Titelfigur Andreas Baader, den Moritz Bleibtreu mit der Macho-Attitüde, die er so gut kann, als knallharten Möchtegern-Revoluzzer und Revolverhelden verkörpert. Wenngleich es eigentlich die sportlichen Porsches sind, die es Baader mehr angetan haben als die Luxuskarossen aus Sindelfingen (er wird später auch einmal in einem – natürlich geklauten - Porsche sitzend verhaftet). Auf einen cholerischen und schießwütigen Obermacho mit Lederjacke und viel (aufgesetzter) Sonnenbrillen-Coolness, der Frauen bevorzugt Fotzen schimpft, schrumpft Andreas Baader hier zusammen. Und macht damit Platz für die beiden eigentlichen Hauptfiguren des Films, für Ulrike Meinhof und Gudrun Ensslin, die zugleich Antipoden sind.
Martina Gedeck ist wie üblich gewohnt grandios als Ulrike Meinhof, deren Wandlung von der engagierten Journalistin zur radikalen Kämpferin zumindest in Ansätzen herausgearbeitet wird. Ihre Schlüsselerlebnisse dabei sind die Ermordung des Studenten Benno Ohnesorg durch prügelnde Polizisten und der Attentatsversuch auf den Studentenführer Rudi Dutschke gepaart mit der Hetzkampagne der bürgerlichen Presse – und hier vor allem der BILD-Zeitung - gegen die aufbegehrenden Studierenden im Lande.
Ähnlich fassungslos von der Ignoranz des Staates und der Gesellschaft zeigt sich Gudrun Ensslin (hervorragend gespielt von Johanna Wokalek), die mit dem Gerede wider die Gewalt und für die christliche Nächstenliebe, wie sie es aus ihrem Pfarrers-Elternhaus kennt, immer weniger anfangen kann und sich mit Baader anfreundet. Zusammen bilden sie bald ein Paar, das im Untergrund lebt und Bonnie und Clyde nicht ganz unähnlich ist. So bilden Ulrike Meinhof als der intellektuelle Kopf und Gudrun Ensslin als die Frau mit dem unbedingten Willen zur Tat das radikalisierte Herzstück der RAF und zugleich des Films.
Dass sich Dramaturgie und Story sehr eng an der gleichnamigen Buchvorlage des ehemaligen SPIEGEL-Chefredakteurs Stefan Aust orientieren und nicht darüber hinausgehen, sollte auf der Hand liegen. Die eigentliche Leistung bei der Adaption des Buches liegt dann auch eher bei Drehbuchautor und Produzent Bernd Eichinger sowie natürlich in der ausführenden Hand von Regisseur Uli Edel („Christiane F. – Wir Kinder vom Bahnhof Zoo“). Gemeinsam gelingt es den Machern, das komplizierte, sich über zehn Jahre erstreckende Konstrukt aus Figuren und Schauplätzen so zu verdichten, dass eine in sich geschlossene und überaus spannende Handlung daraus wird, der man bereitwillig zweieinhalb Stunden lang folgt. Auch wenn dabei leider einige Randfiguren, wie zum Beispiel das mit Alexandra Maria Lara so prominent besetzte RAF-Mitglied Petra Schelm, mehr als sträflich vernachlässigt werden und letztlich nur dazu dienen, als eine Art Stichwortgeber die Dynamik zwischen den Hauptpersonen in Gang zu halten.
Zudem bringen Edel und Co. die Geduld auf, zwischen den harten Action-Szenen auch das Innenleben ihrer Hauptcharaktere nicht zu kurz kommen zu lassen. Dies hätte vielleicht an der einen oder anderen Stelle noch etwas ausführlicher passieren können und manche Schießerei hätte im Gegenzug etwas gekürzt werden können, trotzdem ist diese Schnelldurchlaufchronik des RAF-Terrors ein filmisches Glanzstück geworden. Oder um mit Janis Joplin zu sprechen: „Oh Lord Won't You Buy Me a Ticket to ‚The Baader Meinhof Komplex’“?
Dirk Lüneberg, film.de Redaktion
- Film.de Bewertung:
- Kritik vom 24.09.2008
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Habe heute das Video hier dazu gefunden:
http://de.youtube.com/watch?v=RT7wXG_Ku3k
Von Sina1985 am 25.09.2008 - 20:31Gut gelungener Film, aber schockierend
Ich habe mir den Film gestern Abend als Preview angesehen und muss sagen, dass er super gemacht ist, mit tollen Darstellern. Besonders gefallen hat mir die Darstellung der drei Hauptdarsteller Moritz Bleibtreu (Andreas Baader), Martina Gedeck (Ulrike Meinhof) und Johanna Wokalek (Gudrun Ensslin), die Darstellung der drei hat mich sehr beeindruckt. Die anderen Darsteller waren auch nicht minder beeindruckend. Der Film zeigt die Härte, Brutalität, mit der die RAF Deutschland von 1967 bis 1977 in Atem gehalten hat, deutlich, man bekommt zu spüren was sich damals ereignet hat. Der Film ist von der Länge her ganz gut geraten, wenn auch viel gesprochen wird, doch auch überzeugend und oft in einem scharfen Ton. Für mich einer der besten Filme der letzten Jahre und der beste deutsche Film dieses Jahres, er hat einen Oscar im kommenden Jahr wirklich nötig verdient. Ich hoffe, dass der Film den Preis bekommt. Meiner Meinung nach für jeden empfehlenswert, auch für die, die wenig oder gar nichts von der Geschichte der RAF wissen. Ich selbst war am Ende des Films sehr geschockt, der Film hat mich sehr mitgenommen, besonders die Tötungsszenen und die Selbstmorde der Terroristen. Alles in allem ein sehenswerter Film! Ich werde ihn mir freiwillig nochmal anschauen, um ihn besser zu verstehen!
Von Reunion am 01.09.2008 - 07:53Da muß ich rein!
Ich glaube da muß ich rein!