Fatih Akins neuer Film bedeutet so etwas wie eine Rückkehr. Eine filmische Heimkunft in seine Geburtsstadt Hamburg, die er als Mensch freilich nie verlassen hat, in seinen Filmen jedoch zuletzt immer wieder: „Auf der anderen Seite“ spielte in Istanbul, „Solino“ im Ruhrgebiet und „Im Juli“ auf der Straße. Lediglich „Gegen die Wand“ war auch in der Hansestadt angesiedelt, schlägt als erdenschweres Drama jedoch einen gänzlich anderen Ton an als „Soul Kitchen“. Denn der erinnert eher an Akins Regiedebüt „Kurz und schmerzlos“: Hier wie dort ist der Schauplatz Hamburg, es geht um kleine Menschen mit großen Träumen, die sich am Rande der Legalität bewegen und diese Grenze auch gerne mal überschreiten. Das Ganze passiert auf höchst amüsante Weise, denn Fatih Akin hat mal wieder eine Komödie gedreht. Und eine rundum gelungene dazu.
In der treffen wir auf Zinos (Adam Bousdoukos), Betreiber eines zwar geräumigen, dafür umso schmuckloseren Restaurants in Hamburg-Wilhelmsburg. Kulinarische Köstlichkeiten sucht man in der Soul Kitchen vergeblich, serviert wird hier vielmehr alles, was sich im Großhandel billig einkaufen, tiefgekühlt lagern und im Falle der Bestellung schnell aufwärmen oder frittieren lässt. Doch das sieht Zinos nicht als Problem, da hat er ganz andere: Seine Freundin zieht es beruflich nach Shanghai und ein Bandscheibenvorfall sorgt dafür, dass er nicht mehr am Herd stehen kann. Sein neuer Koch Shayn (Birol Ünel) hat jedoch keinen Bock auf Zinos Junk-Food. Er will mit frisch zubereiteten Köstlichkeiten punkten, womit er jedoch lediglich die wenigen, noch verbliebenen Stammgäste vertreibt. Als auch noch Zinos Bruder Illias (Moritz Bleibtreu) als Knastfreigänger auftaucht und ihn um einen Pro-Forma-Job bittet, das Finanzamt seine Stereoanlage pfändet und die Gesundheitsbehörde den hygienischen Zustand der Küche bemängelt, ähnelt Zinos Gemütszustand dem eines überhitzten Schnellkochtopfs kurz vor der Explosion.
Durchweg heiter und spritzig, manchmal ein wenig zu albern und streckenweise holprig in der Dramaturgie präsentiert sich diese nicht zuletzt auch musikalische Hommage an Hamburg. Deren große Stärke sind erneut die tollen Typen, die Fatih Akin hier zu einem mal komischen, mal tragischen Leben erweckt und die wie immer in den Filmen des Hamburgers vor allem ganz sie selbst bleiben dürfen - mit all ihren nur allzu menschlichen Stärken und Schwächen. Eine Großstadt-Ballade mit Herz und Seele, die einmal mehr das Ausnahmetalent ihres Regisseurs unter Beweis stellt.
Dirk Lüneberg, Redaktion film.de
- Film.de Bewertung:
- Kritik vom 23.12.2009
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Soul Kitchen
Super Lustig und mit Charme ! Meiner Meinung nach Akins Bester ! Unbedingt anschauen !!!