Wim Wenders war lange weg. Weit über ein Jahrzehnt hat er seine Filme von „The End of Violence“ bis „Don’t Come Knocking“ vorwiegend irgendwo in den Weiten der USA gedreht. Doch nun hat es ihn für ein Projekt zumindest teilweise wieder nach Deutschland verschlagen. „Palermo Shooting“ beginnt nicht nur in Wenders Geburtsstadt Düsseldorf. Der Film hat mit dem „Toten Hosen“-Sänger Campino immerhin auch einen deutschen Hauptdarsteller. Der soll – in einem eher ausweglosen Unterfangen – nun den Gedanken möglichst tiefen Ausdruck verleihen, die sich der mittlerweile 63-jährige Filmemacher um die großen Fragen des Lebens gemacht hat.
In seiner ersten großen Filmrolle muss der Musiker als 40-jähriger Fotograf und Krisenkloß Finn daher vorwiegend jammern, sinnieren und philosophieren: Über seine bislang leere, vertane Existenz, der er bei einem Mode-Shooting in Süditalien zu entfliehen versucht, und den Tod, der ihm bei seinen Streifzügen durch Palermo in geisterhafter Gestalt von Dennis Hopper zunächst nach dem Leben trachtet und später in ein Gespräch verwickelt. Allerdings entwickelt sich Wenders digital stark überbearbeiteter Film, der in Cannes auf dem Stamm-Festival des deutschen Filmemachers auf denkbar wenig Gegenliebe stieß und nach der Premiere noch einmal gekürzt werden musste, zur furchtbar prätentiösen Sinnsuche mit finaler Liebeserlösung.
Campino bemüht derweil beim Aufsagen der oft banalen und in ihrer Ernsthaftigkeit unfreiwillig komischen Reflexionen meistens ein und denselben, manchmal aber auch mal einen zweiten Gesichtsausdruck und wird dabei wiederholt von alpträumerischen Visionen gequält, bei denen er sich über den Wolken schon mal an eine große Uhr klammert. Ach ja, wie einem die Lebenszeit durch die Finger rinnt und das Leben an einem vorbei rast! Gegen dieses Gefühl geht Wenders mit bleierner Schwere und den aufgepumpten, letztlich aber herkömmlichen Reflexionen erfolgreich vor – so zäh zieht sich die Zeit beim Ansehen dieses existentialistischen Gedankenkaugummis.
Sascha Rettig, film.de Redaktion
- Film.de Bewertung:
- Kritik vom 18.11.2008
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