Der Trend beim Animationsfilm ist gesetzt und er bewegt sich derzeit eindeutig in Richtung dritte Dimension. Sei es „Bolt“, „Monsters vs. Aliens“, „Ice Age 3“ oder zuletzt „Coraline“ - kaum ein Film der großen amerikanischen Zeichentrickhäuser, der auf den 3D-Effekt verzichten mag. Nun stößt auch Pixar, die zum Disney-Konzern gehörende Hitschmiede, die uns so bezaubernde Animations-Abenteuer wie „Toy Story“, „Findet Nemo“ oder zuletzt „Wall-e“ bescherte, mit ihrem zehnten Film in die dritte Dimension vor. Und setzt erneut Maßstäbe. Die liegen nicht in spektakulären, ganz auf das 3D-Erlebnis zugeschnittenen Bildern, sondern fast im genauen Gegenteil: Selten kamen die 3D-Effekte so unspektakulär und beiläufig und damit zugleich so selbstverständlich daher wie hier. Denn Pixar ist sich und seinen Prinzipien treu geblieben: Die Effekte haben sich immer der Geschichte unterzuordnen, sie existieren nie für sich alleine. Und so sind auch hier wieder die Story und die in ihr auftretenden Figuren die eigentlichen und zugleich etwas eigentümlichen Stars.
Der Held der Geschichte zum Beispiel will so gar nicht dem langläufigen Klischee eines solchen entsprechen: Carl Fredicksen, 78 Jahre alt und allein lebender Rentner. Der erfüllt sich - von der Abschiebung in ein Altersheim bedroht - einen Lebenstraum: Eine Reise in den Amazonas-Urwald. Doch dorthin geht es nicht mit einem Ozeandampfer oder in einem Flugzeug. Der pensionierte Ballonverkäufer befestigt Tausende von mit Helium gefüllte Luftballons an seinem Haus und lässt diese es davontragen. Doch entgegen seiner Erwartung tritt Carl die Reise nicht allein an: Hoch in den Lüften findet er auf seiner Veranda den verängstigten, achtjährigen Russel vor, der als Pfadfinder grade dabei war, seine gute Tat des Tages zu absolvieren, als das Haus plötzlich abhob. Carl hat keine Wahl, an Umkehr ist nicht zu denken, und so muss er die dauerquasselnde Nervensäge wider Willen mitnehmen nach Südamerika.
Gäbe es einen Preis dafür, wie man Herzenswärme und Detailverliebtheit mit trockenem Humor und einer nicht eben kleinen Portion Action kombiniert, ginge der erste Platz an dieses Trickfilmabenteuer. Ein zauberhaft erzähltes und perfekt durchkomponiertes Filmerlebnis für die ganze Familie - und da dürfen sich Oma und Opa ausdrücklich mit eingeschlossen fühlen, denn für ein ordentliches Abenteuer ist man bekanntlich nie zu alt. Wenn es nur einen Film gibt, den man in diesem Jahr gesehen haben sollte, dann diesen - völlig egal ob mit oder ohne 3D-Brille.
Dirk Lüneberg, Redaktion film.de
- Film.de Bewertung:
- Kritik vom 16.09.2009
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