Zum Star wurde Alexandra Neldel im Fernsehen. Nach einer Ausbildung zur Zahnarzthelferin und einigen Jobs als Promotion-Hostess wurde sie in den Neunziger Jahren für eine Rolle in der Seifenoper „Gute Zeiten, schlechte Zeiten“ entdeckt und spielte später auch in einer Staffel von „Berlin, Berlin“ mit. Spätestens mit der erfolgreichen Telenovela „Verliebt in Berlin“ gelang Neldel 2005 dann endgültig der Durchbruch. Auf der Leinwand war die Berlinerin bisher vor allem in Nebenrollen zu sehen und trat in so unterschiedlichen Filmen wie „Bang Boom Bang“, „Erkan & Stefan“, „Barfuss“ oder „Meine schöne Bescherung“ auf. In der ebenso romantischen wie musikalischen Komödie „Märzmelodie“ spielt sie nun neben Jan Henrik Stahlberg ihre erste Kino-Hauptrolle.
Waren Sie eigentlich froh, dass die Songs in „Märzmelodie“ vom Playback kamen und Sie nicht selber singen mussten?
Ich glaube fürs Team war es besser so! Als ich das Drehbuch zum ersten Mal gelesen habe, hatte ich die erste Seite mit der Einführung nicht gelesen, und als dann ein paar Seiten später zum ersten Mal etwas vom Singen stand, dachte ich nur: Oh je, die wissen wohl nicht, wem sie da das Buch angeboten haben. Das kann doch gar nicht sein, dass jemand wirklich möchte, dass ich singe! Aber als ich dann beim Casting wusste, dass im Film nicht mein Gesang zu hören ist, war es erstmal sehr lustig. Denn natürlich muss man trotzdem mitsingen, damit es echt aussieht – und selbst das muss man sich ja erst einmal trauen und seine Hemmungen überwinden. Am ersten Drehtag habe ich noch überlegt, ob ich am besten jedem Ohropax schenke. Gleich in meiner ersten Szene, in der ich bei der Psychologin sitze, musste meine Kollegin sofort lachen, als ich anfing zu singen. Danach hat es dann aber nur noch Spaß gemacht.
Musiknummern im Kino haben in Deutschland ja keine wirkliche Tradition...
Ja, aber unser Film ist natürlich auch kein echtes Musical. Es ist schließlich nicht wie in „Chicago“, wo die Showtreppe aufgeht und es richtige Gesangsszenen gibt. Hier geht es einfach um die emotionalen Momente, in denen man nicht weiter weiß. Wenn man nicht mit Worten ausdrücken kann, was man fühlt, und nicht sagen kann, dass man jemanden mag, dann fängt man einfach an zu singen. Wenn ich hier im Interview eine Frage nicht beantworten könnte und einfach anfangen würde zu singen, wäre das wahrscheinlich etwas befremdlich. Aber im Film fand ich das superschön. Ich war sehr gespannt und im ersten Moment ist jeder etwas irritiert, doch dann ist es wirklich lustig. Zum Glück ist der Film aber damit auch nicht überladen und es sind immer nur vier oder fünf Sätze.
Die Songs, um die es geht, kommen unter anderem von Gitte Haenning, Rio Reiser, Nena oder Zarah Leander. Gibt es da Parallelen zu Ihrem Musikgeschmack?
Wenn ich ganz ehrlich bin nicht. Manche Lieder kannte ich sogar noch nicht einmal. Das meiste war dann doch vor meiner Zeit.
Ihre Haare sind in „Märzmelodie“ zur Abwechslung mal braun. Macht das vor der Kamera einen Unterschied?
Nicht nur vor der Kamera. Und natürlich ist das ein wichtiger Bestandteil einer Rolle. Die Idee kam vom Regisseur, aber ich wollte auch immer schon unbedingt mal dunkle Haare haben. Als ich nach dem Färben vom Frisör kam und mich im Schaufenster sah, war das schon ein Wow-Erlebnis. Es ist im ersten Moment einfach wirklich etwas ganz anders. Danach habe ich mich allerdings so dran gewöhnt, dass meine Haarfarbe auch privat immer dunkler wird, weil ich das so schön finde.
Anna und Thilo werden im Film von ihren Freunden miteinander verkuppelt. Ist Ihnen das schon mal passiert?
Dieses typische „ich habe da jemanden für dich“ habe ich so noch nie erlebt. Aber vielleicht weiß ich es ja auch nur nicht und wurde doch schon mal verkuppelt. Ich glaube es allerdings nicht. Auch ich selbst habe das noch nie gemacht. Obwohl man natürlich schon mal überlegt, wer aus seinem Freundeskreis zusammenpassen könnte. Allerdings klappt so etwas dann irgendwie doch nie.
Im Kino haben Sie bisher meist eher Nebenrollen gespielt. Ist eine Hauptrolle wie diese jetzt eine neue Erfahrung?
Die Verantwortung ist natürlich schon eine andere. Das hier ist jetzt richtig mein Baby, für das ich ganz viel gemacht habe. Wobei man natürlich sagen muss, dass die eigentliche Hauptrolle Jan Henrik Stahlberg spielt. Letztlich ist es aber egal, wie groß die Rolle ist, wenn man hinter dem Produkt steht und den Leuten das vermitteln möchte. So oft gibt es völlig nichts sagende, uninteressante Hauptrollen, also warum sollte man dann nicht lieber auch mal eine gute Nebenrolle spielen, in der man sich ausprobieren kann. Das Wichtigste bei diesem Film war mir deswegen gar nicht meine Rolle, sondern diese wirklich schöne Geschichte, in die man eintauchen und sich in manchen Momenten wieder finden kann.
Ärgert man sich als Schauspieler eigentlich mehr über Filme, die man gemacht hat, oder über solche, die man nicht gemacht hat?
Ich glaube, dass jeder Film für den jeweiligen Zeitpunkt der richtige war, deswegen hat man ihn auch gemacht. Natürlich erschreckt man sich manchmal, wenn plötzlich ein Film im Fernsehen läuft, den man vor Jahren gedreht hat. Aber man ihn gemacht, weil er zu der Zeit Spaß gemacht hat und im perfekten Moment kam. Was die Rollen angeht, die man nicht gespielt hat, sollte es dann wahrscheinlich einfach nicht sein, wenn man nicht genommen wurde oder aus Zeitgründen absagen musste. Das ist natürlich manchmal schade, aber darüber kann man sich nicht lange ärgern. Trotzdem sage ich meiner Agentur immer, sie sollen mir Drehbücher am besten gar nicht erst zeigen, wenn sie wissen, dass ich sowieso keine Zeit habe. Denn wenn dann was wirklich Tolles dabei ist, ist man doch ein wenig enttäuscht.
Haben Sie gelegentlich noch mit dem Stempel des Fernsehstars zu kämpfen, wenn es um Kinorollen geht?
Ich will das Fernsehen gar nicht loswerden und habe beispielsweise gerade wieder eine Serie für Pro Sieben gedreht. Das muss man doch gar nicht gegeneinander aufwiegen, schließlich werden auch im Fernsehen ganz tolle Geschichten gemacht. Natürlich ist Kino etwas anderes, schon allein, weil die Leute dafür das Haus verlassen und sich eine Karte kaufen müssen. Aber ich würde nie sagen, dass ich nur noch das eine oder das andere mache. Und man muss ja nur mal nach Hollywood gucken, wo gerade viele Filmstars plötzlich fürs Fernsehen und irgendwelche Serien arbeiten. Ein Snobismus dem Fernsehen gegenüber, den es bei einigen Kollegen sicher gibt, ist also gar nicht angebracht.
Ihr größter Erfolg war die Rolle der Lisa in der Telenovela „Verliebt in Berlin“. Werden Sie darauf heute noch angesprochen?
Ich werde nicht auf der Straße mit „Lisa“ angesprochen, schon gar nicht in Berlin. Das war aber auch damals nicht so, denn die Leute wussten immer meinen richtigen Namen, obwohl ich täglich als Lisa zu sehen war. Verrückterweise wurde ich aber neulich in Nizza angesprochen, denn die Serie läuft gerade sehr erfolgreich in Frankreich. Das fand ich dann schon unfassbar und ein bisschen aufregend. Und das, wo ich doch gar kein Wort Französisch spreche!
Sie haben ursprünglich eine Ausbildung zur Zahnarzthelferin gemacht. Könnten Sie sich vorstellen, irgendwann wieder anderen Menschen in den Mund zu gucken, wenn alle Stricke reißen sollten?
Sagen wir es mal so: ich müsste auf jeden Fall vorher noch mal einen Lehrgang besuchen. Ich gehe heute noch zu dem Zahnarzt, wo ich früher meine Ausbildung gemacht hatte, und da sehe ich immer, was sich alles verändert hat. Es gibt keine Karteikarten mehr, sondern nur noch den Computer. Und während man auf dem Stuhl liegt, kann man sich oben Filme auf DVD angucken!
Interview: Patrick Heidmann, Film.de Redaktion
Interview vom: 05.02.2008
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