Zwanzig Jahre nach dem Mauerfall wird dieses historische Ereignis in sämtlichen Medien mit allen erdenklichen Mitteln noch einmal verarbeitet: Reportagen in der Zeitung, Sondersendungen im Radio und Dokumentationen im Fernsehen – das Thema der Grenzöffnung dominiert derzeit das mediale Tagesgeschehen. Und auch das Kino steht dem bunten Ost-West-Treiben mit einem Film wie „Liebe Mauer“ in nichts nach.
Darin nimmt Franzi (Felicitas Woll) im Jahr 1989 ihr Studium in Westberlin auf, bezieht eine Wohnung mit Blick auf die Mauer und trifft nach ihrem ersten Trip in den Osten auf den Grenzsoldaten Sascha (Maxim Mehmet). Zwischen Beiden sprühen Funken, doch die Umstände für eine Liaison sind denkbar ungünstig. Weil Liebe jedoch keine Grenzen kennt, nehmen Sascha und Franzi selbstverständlich sämtliche Unwegsamkeiten in Kauf – doch auch Stasi, BND und CIA haben ein Auge auf das junge Paar geworfen. Probleme sind also vorprogrammiert.
Wirft man einen kurzen Blick auf die bisherige Filmografie von Regisseur Peter Timm, fallen einem vor allem zwei Dinge auf. Erstens hat sich der 59-jährige Ostberliner in Filmen wie „Meier“, „Go Trabi Go“ oder „Der Zimmerspringbrunnen“ bereits einschlägig mit der Ost-West-Thematik auseinandergesetzt, zweitens hat er sich seine Sporen als Regisseur bisher vor allem im komödiantischen Fach verdient (wie zum Beispiel mit „Manta – der Film“ oder „Rennschwein Rudi Rüssel“). Beide Aspekte werden für „Liebe Mauer“ einmal mehr miteinander verknüpft, und dieses Umstandes sollte man sich bei Lösung eines Kinotickets bewusst sein.
Timm, selbst in den 1970er Jahren aus der DDR ausgewiesen, agiert hinsichtlich Szenerie und Ausstattung mit sehr viel Liebe zum Detail und schafft es dadurch, das richtige Gefühl für die Zeit aufkommen zu lassen. Den vielen Negativerfahrungen mit der DDR-Diktatur wird hingegen nie so viel Platz eingeräumt, dass es ungemütlich werden könnte. Stattdessen wird auf Humor gesetzt, und das funktioniert streckenweise sehr gut – wie vor allem die Szenen mit Saschas bester Freundin Uschi (Anna Fischer) belegen. Das Böse der Stasi-Mitarbeiter wird jedoch vor allem durch deren Dummheit und Unfähigkeit gebrochen, was oft ein wenig übertrieben wirkt und den Film leicht ins Klamaukige abdriften lässt. Auch die Gefühle zwischen Sascha und Franzi dringen nie ganz bis zum Zuschauer durch und bleiben durch die vielen Irrungen und Wirrungen im Plot stets irgendwo hängen, sodass das Ganze teilweise eher wirkt wie eine in Spielfilmform gebrachte Ost-West-Telenovela.
Doch Langeweile kommt glücklicherweise zu keiner Zeit auf, sodass Freunde von seichter Unterhaltung und des derzeit auf Endlosschleife laufenden Wiedervereinigungswahnsinns beim Kinobesuch von „Liebe Mauer“ sicherlich auf ihre Kosten kommen werden.
Daniel Schieferdecker, Redaktion film.de
- Film.de Bewertung:
- Kritik vom 16.11.2009
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