Die Idee und das Konzept hören sich schon mal vielversprechend an: Ähnlich wie es der britische Komiker Sacha Baron Cohen mit seinen beiden Alter Egos Borat und Brüno vorgemacht hat, wollte es Hape Kerkeling mit seiner mittlerweile zum Kult erhobenen Kunstfigur Horst Schlämmer nachmachen: Ein abendfüllender Spielfilm auf Grundlage einer eher dürftig zusammen gestrickten Handlung bildet den Hintergrund für Schlämmers improvisierte Auftritte, in denen die Kunstfigur auf die echte Menschheit losgelassen wird und mit ihr interagieren muss. Diese ungekünstelten, dem echten Leben abgefilmten Passagen sind dann neben dem Fernsehduell mit Angela Merkel (die der Einfachheit halber auch von Hape Kerkeling gespielt wird) die Highlights dieser Pseudo-Dokumentation.
Die Story, die sich als nicht immer klar zu erkennender und daher eher blassroter Faden durch den Film zieht, ist entsprechend schnell erzählt: Horst Schlämmer, seines Zeichens stellvertretender Chefredakteur des Grevenbroicher Tagblattes, stellt bei Interviews mit einer Reihe von Lokalpolitikern fest, dass diese auch nur mit Wasser kochen. Seinem neuen Motto „Was die anderen nicht können, das kann ich auch!“ folgend, gründet er die Horst Schlämmer Partei (HSP) mit ihrer klar definierten konservativ, liberal, linken Ausrichtung. Sein Ziel ist der Einzug ins Kanzleramt. Doch so ganz ohne Unterstützung fällt bereits die Parteiengründung schwer, wie Schlämmer schnell feststellen muss. Glücklicherweise erliegt Alexandra Kamp (die sich selbst spielt) dem tiefen, männlichen Klang der Stimme des unerschrockenen Provinz-Journalisten und Bald-Bundeskanzlers. Die machtgierige Kamp, die sich in der Rolle der ersten Dame des Staates bereits als deutsche Antwort auf Carla Bruni sieht, sorgt engagiert dafür, dass noch ein paar weitere Halbprominente zum Unterstützerkreis der HSP stoßen.
Aber auch die Jugend will Schlämmer mit seiner Partei erobern, wozu er mit Bushido einen Horst Schlämmer-Rap aufnimmt, während das einfache Volk bei den Wahlveranstaltungen mit Auftritten der (ebenfalls von Kerkeling verkörperten) Schlagersängerin Uschi Blum vorlieb nehmen muss. Mit den Slogans „Hasenpower für Deutschland“ und „Yes Weekend“ zieht der Mann mit dem gegrunzten Lachen und dem Überbiss durch heimische Gefilde, um Wahlkampf in eigener Sache zu machen. Begleitet wird er dabei von seinem schüchternen Praktikanten Ulle. Dessen Figur jedoch leider schlichtweg überflüssig ist und zudem auch nicht sonderlich überzeugend von Möchtegern-Comedian Simon Gosejohann gespielt wird.
Das Fremdschämen, wie man es als Zuschauer in den Filmen von Sacha Baron Cohen oft unfreiwillig praktiziert, ist hier nur selten bis überhaupt nicht angesagt, ganz so bunt wie der Brite treibt es Kerkeling nicht. Der bleibt eher der biederen Bodenständigkeit seines Herrenhandtaschen-Fetischisten verhaftet, was den höchst effizient und kurzweilig erzählten Film über weite Strecken etwas zu brav wirken lässt.
Wenngleich die fiktive Geschichte rund um Alexandra Kamp als Horst Schlämmer-Groupie nicht wirklich überzeugen kann und die Wahlkampf-Posse die hohen, in sie gesetzten Erwartungen nicht immer zu erfüllen vermag, verfügt der Film dennoch über einen echten Star, der auch auf der großen Leinwand noch eine überragend gute Figur macht. Der heißt Horst Schlämmer, aber gemeint ist natürlich Hape Kerkeling. Und der beweist nach seinem legendären Auftritt als Königin Beatrix vor dem Schloss Bellevue hier einmal mehr, dass er ein Meister der Travestie und der situativen Schlagfertigkeit ist. Beides gepaart mit einem erstaunlich sensiblen Gespür dafür, wie man wildfremde Menschen – egal ob Promi, Politiker oder Passant – sanft manipulieren und ihnen mal mehr, mal weniger Peinliches entlocken kann, stellt ohne Frage eine hohe Kunst des Komödiantentums dar. Und die beherrscht Kerkeling nahezu perfekt.
Dirk Lüneberg, Redaktion film.de
- Film.de Bewertung:
- Kritik vom 18.08.2009
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CDU, SPD oder eben HSP
Eine super Idee! Die Deutschen wollten schon Günther Jauch wählen, warum dann nicht auch horst Schlämmer. Der beste Film den man sich zum Wahlkampf wünschen kann...
Ich bin morgen auf jeden Fall im Kino!