Dass Heike Makatsch die Hildegard Knef unbedingt spielen wollte und sich mächtig bemüht, der Figur in all ihrer Komplexität gerecht zu werden, ist nicht zu übersehen. Und genau hier liegt das Problem dieses Biopics: Eben jene Mühe, mit der Heike Makatsch an ihre Arbeit gegangen ist, merkt man ihr leider an. Die tiefe Stimme, das Berlinern, die freche und burschikose Art der Hildegard Knef, das alles versucht die Makatsch möglichst perfekt zu imitieren. Doch weder wird dies konsequent durchgehalten, noch kommt sie der Knef so wirklich näher. Man sieht stattdessen immer nur Heike Makatsch, die krampfhaft versucht, Hildegard Knef zu sein. Nur in den Momenten, in denen es ihr gelingt, sich von all diesen Imitationsversuchen frei zu machen, sie einfach drauflos spielt und sich wenig um das übergroße Vorbild schert, entwickelt sie eine Persönlichkeit und blüht auf der Leinwand auf.
Über einen Zeitraum von gut 20 Jahren von Mitte der 1940er bis Mitte der 1960er nehmen wir hier Teil am bewegten Leben der Knef. Warum jedoch grade dieser Lebensabschnitt gewählt wurde, will einem als Zuschauer ebenfalls nicht so recht einleuchten, hätte ihr weiteres Leben doch noch viel mehr spannenden Filmstoff hergegeben. Von den Nazis entdeckt und mit einem hohen Bonzen liiert, hofft sie auf eine steile Karriere im "Dritten Reich". Doch das liegt in Trümmern, bevor es mit Hildes Aufstieg so richtig losgehen kann. Wiederentdeckt und trotz ihrer Nazi-Vergangenheit protegiert von Erich Pommer, bekommt sie die Hauptrolle in einem der ersten deutschen Nachkriegsfilmerfolge "Die Mörder sind unter uns" und wird prompt vom Produzenten-Mogul David O. Selznick nach Hollywood verpflichtet. Doch dort hat man nicht grade auf das Fräuleinwunder aus Deutschland gewartet und so bricht bei dem zwar engagierten, doch in einem goldenen Hollywood-Käfig gefangenem Nachwuchstalent die große Langeweile aus und sie versucht verzweifelt, aus dem Vertrag mit Selznick heraus und wieder zurück nach Deutschland zu kommen.
Dass man dieses Biopic nicht als wirklich gelungen bezeichnen möchte, liegt jedoch nicht nur an Frau Makatsch. Auch Regisseur Kai Wessel gelingt es nicht, die Faszination der Knef dem Zuschauer, der diese vielleicht gar nicht kennt, begreiflich und greifbar zu machen. Nur in Ansätzen erkennt man, was diese Frau zu ihrer Zeit so besonders gemacht hat, ansonsten verstrickt sich Wessel meistens im Kleinklein aus grauem Nachkriegsalltag, Beziehungskrisen und Geldproblemen. Den großen Auftritt gönnt TV-Profi Wessel dem gefeierten Weltstar Knef fast nie, vom Glamour, der sie umgab, und von ihrem faszinierenden Wesen bekommt man als Zuschauer nur eine vage Ahnung. Verglichen mit anderen Filmbiografien bleibt diese erstaunlich blass und unpersönlich und damit irgendwie am Objekt der Betrachtung vorbeiinszeniert.
Dirk Lüneberg, Redaktion film.de
- Film.de Bewertung:
- Kritik vom 11.03.2009
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