Zuerst war Nicole Kidman anstelle von Kate Winslet für die Hauptrolle in dieser Verfilmung des Bestsellers von Bernhard Schlink vorgesehen. Wenn man das Ergebnis nun betrachtet, kann man fast froh sein, dass die Australierin zwischendurch schwanger geworden und darum ihre Kollegin eingesprungen ist. Denn die ist nicht nur von ihrer Physiognomie her die bessere Wahl, auch schauspielerisch ist Kate Winslet natürlich herausragend - wie ihr Golden-Globe- und Oscar-Gewinn eindrucksvoll belegen. An ihrer Seite – und das ist die kleine Sensation – brilliert der deutsche Shooting-Star David Kross, der zuletzt bereits in "Krabat" mehr als nur überzeugen konnte. Ihm bei seiner Wandlung vom schüchternen 15-jährigen Schüler zum selbstbewussten Jura-Studenten zuzusehen, ist eine wahre Freude. Darüber hinaus ist es absolut bewundernswert, mit welcher Präzision der bei den Dreharbeiten erst 17-Jährige selbst intime Szenen mit Weltstar Winslet meistert.
Besagte Sequenzen finden sich gleich zu Beginn des Films, in dem sich Michael (Kross) in die wesentlich ältere Straßenbahnschaffnerin Hanna (Winslet) verliebt. Mit ihr erlebt er seinen ersten Sex und kommt bald jeden Tag nach der Schule bei ihr vorbei, wobei sich schnell ein Ritual etabliert: Zuerst liest ihr Michael aus einem Buch vor, danach schlafen sie miteinander. Eines Tages ist Hanna jedoch spurlos verschwunden, um einige Jahre später ebenso plötzlich wieder aufzutauchen: Michael studiert mittlerweile Jura und trifft sie in einem Gerichtssaal wieder, in dem einer Reihe von ehemaligen KZ-Aufseherinnen der Prozess gemacht wird – unter den Angeklagten befindet sich auch Hanna.
Regisseur Stephen Daldry, auf dessen Konto hochdekorierte Arthouse-Schmuckstücke wie "Billy Elliot" oder "The Hours" gehen, inszeniert auch diese Romanverfilmung gefällig und geschickt im Aufbau der sexuellen Spannung zwischen den Protagonisten und bleibt zugleich nah an der literarischen Vorlage. Sein Trumpf aber bleibt das erstklassige Schauspielerensemble - und da gibt es bei dieser größtenteils in Berlin und Brandenburg realisierten Produktion einiges an prominenten, deutschen Darstellern in Nebenrollen zu entdecken!
Dirk Lüneberg, Redaktion film.de
- Film.de Bewertung:
- Kritik vom 24.02.2009
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