"Der entsorgte Vater" beginnt mit einem ausdrucksstarken Anfangsbild, das den gesamten Film prägt: Ein wolkenverhangener Gewitterhimmel wabert über die Leinwand, düster und wütend wirkend, im Vordergrund lassen sich Plattitüden über die emotionale Situation von Kindern in Scheidungsphasen lesen. Zur dramatischen Verdichtung der Atmosphäre wird handfester Rock eingespielt, der durch Tragik und Melancholie gezeichnet ist.
Das Thema, das Douglas Wolfsperger in seiner Dokumentation verarbeitet, ist hochpolitisch: Er fragt nach Rollen und Rechten von Vätern im Fall einer ehelichen Trennung. Dieser Problematik Aufmerksamkeit zu schenken ist berechtigt, denn die gesetzliche Situation von Vätern ist dringend diskussionswürdig. Aufgrund der eigenen Sorgerechtsgeschichte und dem damit verbundenen "psychischen Missbrauch", den er an seiner Tochter verübt sieht, wird der Film zu Wolfspergers persönlichem Anliegen.
Es ließe sich daher seinerseits aufschlussreiche Fachkompetenz vermuten, doch die direkte Verwicklung wirkt eher kontraproduktiv auf die Qualität der Arbeit. Der Filmemacher scheint befangen, viel zu emotional involviert, um sachkundig und umfassend dokumentieren zu können. Neben vier Männern wird nur eine einzige Frau zu ihrer Sorgerechtsgeschichte befragt. Es werden Gerichtsurteile zitiert und angezweifelt, ohne die betreffenden Richter zu Stellungnahmen heranzuziehen. Die geschiedenen Ehefrauen der männlichen Protagonisten bekommen keine Chance, ihre Sicht der Dinge darzulegen.
Vor allen Dingen aber die Sequenzen, in denen Wolfsperger selbst vor die Kamera tritt, sind fragwürdig. Man hat fast den Eindruck, die Dokumentation wandle sich an jenen Stellen zu einer Art Doku-Soap: Die laut ausgesprochenen Gedanken sowie sein Gebaren wirken vollkommen inszeniert. Durch die Art, wie er erzählt, macht er den Film in erster Linie zu einer Privatsache. Er bannt auf Zelluloid, was er seiner Tochter persönlich nicht vermitteln darf, setzt sich als tragischen Helden in Szene, um sein Interesse an ihr für immer festzuhalten.
Dieses Bemühen ist einerseits zutiefst rührend, andererseits liegt genau darin ein weiterer zweifelhafter Punkt. "Der entsorgte Vater" geht thematisch nicht über das gezeigte Selbstmitleid hinaus, oft lässt sich zudem eine pauschalisierte Anklage gegen die Kinder instrumentalisierende Frauenwelt heraushören. Der Film ist ein Portal, um die Verzweiflung zu zeigen, die unter vielen "entsorgten" Vätern offensichtlich herrscht. Da das Thema sehr emotional ist, ist das durchaus legitim – aber zu einseitig und keinesfalls genug. Zu wenig werden die Möglichkeiten aufgezeigt, was in derlei hilflosen Momenten machbar ist. Wo bleibt der Hoffnungsstreif? Wann werden die Männer befragt, die ihren Anspruch auf Miterziehung erfolgreich verteidigen konnten oder zumindest zufrieden stellende Kompromisse erreicht haben? Eine reine Bestandsaufnahme ist in Ordnung, wenn sie vollständig ist und nicht einfach eminent Fakten außer Acht lässt.
Vanessa Pape, Redaktion film.de
- Film.de Bewertung:
- Kritik vom 07.06.2009
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