Eine Familiengeschichte, erzählt einmal anders: Fünf Familienmitglieder – zwei Eltern und ihre drei Kinder – ergeben fünf Episoden, die hier nacheinander und über einen Zeitraum von knapp zwölf Jahren erzählt werden und in der jeweils einer der Familienangehörigen im Mittelpunkt steht. Dabei kommt auch der französische Originaltitel des Films ins Spiel, der übersetzt "Der erste Tag vom Rest deines Lebens" lautet. Denn die Ereignisse, die die einzelnen Episoden beherrschen, stellen zugleich einen Einschnitt im Leben des jeweils herausgestellten Familienmitglieds dar.
Bei Albert (Pio Marmai) ist dies der Auszug von Zuhause: Wir schreiben das Jahr 1988, Albert ist 20, das älteste der drei Kinder und somit zugleich das erste, das sich von den Eltern auch räumlich abnabelt. Sehr zum Verdruss von Mutter Marie-Jeanne (Zabou Breitman), die ihn nicht ziehen lassen will, während Vater Robert (Jacques Gamblin) darin die Chance sieht, auch einmal über ein eigenes Zimmer in seinem Haus zu verfügen.
Fünf Jahre später begleiten wir die mittlerweile 16-jährige Fleur (Déborah Francois) einen Tag durch ihr Leben. Und es soll der Tag sein, an dem der jüngste Spross der Familie ihre Unschuld verliert und damit auch ihren Eltern indirekt beweisen will, dass sie kein Kind mehr ist. Ob für diesen ersten Sex jedoch der coole Sascha, seines Zeichens Sänger in einer Rockband, der Richtige ist?
Weitere drei Jahre später ist es der mittlerweile 25-jährige Raphael (Marc-André Grondin), der als das mittlere der drei Kinder etwas ziellos durch sein Leben surft, jedoch Spaß darin gefunden hat, mit seinem gestrengen und stets etwas mürrischen Großvater Weine zu verkosten. Am selben Tag steht außerdem noch die Hochzeit seines älteren Bruders an, doch ein weiteres Ereignis wird dafür sorgen, dass Alberts großer Tag eine unerwartete Wendung nehmen wird.
In den letzten beiden Geschichten wendet sich der Film dann den Eltern zu: Während zehn Jahre nach der ersten Episode die mittlerweile über 50-jährige Marie-Jeanne sich nicht mehr begehrt fühlt und mit einer entsprechenden Lebenskrise zu kämpfen hat, erwischt es Vater Robert weitere zwei Jahre später sogar noch etwas schlimmer.
Als großartiger Erzähler erweist sich Regisseur und Drehbuchautor Rémi Bezancon, der mit "C'est la vie" erst seinen zweiten Spielfilm vorlegt. Trotz der episodenhaften Struktur wirkt sein Werk stets wie aus einem Guss. Geschickt versteht Bezancon die einzelnen Geschichten und Geschichtchen zu verknüpfen, ohne seine fünf Hauptfiguren dabei aus den Augen zu verlieren. Sein sympathisches Familienkonstrukt wirkt zwar leicht idealisiert, trotzdem noch in hohem Maße authentisch. In Frankreich war diese ebenso leichtfüßige wie ernsthafte und jeglichen Kitsch (beinahe) vermeidende Tragikomödie bereits ein echter Publikumsrenner und wurde darüber hinaus mit drei Césars, den französischen Filmpreisen, ausgezeichnet. Einen ähnlichen Erfolg wünscht man dieser erfrischenden und im besten Sinne typisch französischen Familiengeschichte auch hierzulande. Die Voraussetzungen dazu bringt sie als einer der schönsten Filme, die es in der letzten Zeit aus dem Nachbarland in unsere Kinos geschafft haben, in jedem Fall schon einmal mit!
Dirk Lüneberg, Redaktion film.de
- Film.de Bewertung:
- Kritik vom 22.04.2009
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